Robo Advice – Wenn Maschinen Ihr Vermögen verwalten

Vergleicht man die unterschiedlichen Artikel in den Medien zum Thema Robo Advice, so stellt man schnell fest, dass dieser Begriff doch sehr unterschiedlich diskutiert und verstanden wird. Im heutigen Newsletter möchten wir auf dieses Thema näher eingehen und versuchen, aus Sicht des CC Sourcings Robo Advice zu strukturieren.

Was ist Robo Advice?

Robo Advice wird wie im Artikel der Deutsche Bank Research oft als algorithmenbasierte Software für Anlage- und Portfoliostrategien verstanden. Technologiebasiert führen gezielte Fragen, standardisiert und ohne menschliche Interaktion, zu einer strukturierten Auswahl der Finanzprodukte. Ist dies gleichwohl das Verständnis von Robo Advice?

Wir greifen eine differenziertere Betrachtung von Robo Advice in nachfolgender Abbildung auf:

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Je nach Ausprägung der Interaktion mit dem Berater unterscheiden wir ein rein digitales Angebot – ohne jegliche Interaktion –, das nur der Kunde nutzt und das den Investitionsprozess automatisiert ausführt. Demgegenüber steht das hybride Modell, bei dem der Kunde den Prozess mittels Algorithmus zuerst selbst startet und punktuell bei Fragen auf den Berater zugeht. Dahingegen bezeichnet das dritte Modell eine Lösung, bei der lediglich der Kundenberater die Technologie nutzt und algorithmenbasiert Lösungsvorschläge erstellt. Der Berater bedient sich der Technologie im direkten Beratungsgespräch. Die Grenzen der drei Modelle sind jedoch fliessend (Stichwort Mensch, Mensch-Maschine, Maschine). So kann auch eine mögliche Ausprägung die tabletgestützte Kundenberatung sein, bei der Kunde und Berater die gleiche Sicht auf die Daten haben.

Im Sinne einer serviceorientierten Sicht beschränkt sich Robo Advice nicht nur auf das Anlagegeschäft, sondern ist fachlich getrieben und kann bzw. soll im Hinblick auf eine umfassende Beratung auch weitere bankfachliche Themen wie die Finanzierung und das Zahlen umfassen. Robo Advice beschränkt sich also nicht nur auf die Lösung, sondern soll insbesondere auch die Information, Simulation und Bewertung in den Vordergrund stellen.

Bietet Robo Advice Potential?

Wie der Artikel der Deutsche Bank Research zeigt verspricht man sich viel Potential im Bereich des Robo Advice. So rechnen die Experten für das Jahr 2020 in Deutschland mit einem verwalteten Vermögen von 20 bis 30 Mrd. EUR. Diese Entwicklung wird nicht zuletzt durch den demographischen Wandel verursacht, da die internetaffinen über 35-Jährigen dabei sind, ihr Vermögen zu vergrössern. Nichtsdestotrotz wird auch von der 50+ Generation viel Potential erwartet.

Eine Umfrage des CC Sourcing bei 684 Endkunden im D-A-CH-Raum untersuchte die Zahlungsbereitschaft hinsichtlich persönlicher Beratung und Robo-Beratung. Grundsätzlich stehen Sicherheit, Kosten/Nutzen und Verständlichkeit weit vor der Bequemlichkeit und Geschwindigkeit von Services. Vor diesem Hintergrund hat die Umfrage gezeigt, dass in der Robo-Beratung die Zahlungsbereitschaft weit geringer ist als bei der traditionellen Beratung. Der Private Banking Kunde schätzt die Beratung, dabei zahlt er mehr als der Retail Banking Kunde.

Die Basis für den Entscheid, wie weit Robo Advice umgesetzt werden sollte, hängt davon ab, ob sich ein Finanzinstitut für eine umfassende Beratung (Zahlen, Anlegen und Finanzieren) oder eine punktuelle Beratung entscheidet.

 

Thomas Zerndt

Thomas Zerndt

Thomas Zerndt ist als erfahrener Berater seit über 13 Jahren Vordenker und Strukturierer in der Finanzindustrie. Mit der Gründung des CC Sourcing hat er den Grundstein zur Modellierung von Geschäftsmodellen in der Finanzindustrie gelegt und die konsequente Weiterentwicklung des Bankings mit allen neuen Facetten hinsichtlich Digitalisierung, Netzwerke und Industrialisierung vorangetrieben. Er nimmt massgeblichen Einfluss sowohl auf den innovationsorientierten Research als auch im praxisbezogenen Management Consulting.
Thomas Zerndt ist Geschäftsführer des BEI und Mitglied des Leitungsteams im CC Sourcing.
Thomas Zerndt

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