Wird sich Twint gegenüber Facebook & Co. durchsetzen?

Seit Oktober 2016 besitzt Facebook eine e-money Lizenz von der Central Bank of Ireland, womit die Zahlungen über Messenger, welche in der USA schon alltäglich sind, bald auch in Europa starten dürften. Seit November 2016 können iPhone Benutzer mit Siri Zahlungen über Paypal auslösen.

Gemäss neuer Zahlungsdirektive PSD2 müssen bis 2018 alle europäischen Banken die Zahlungs-Schnittstellen für Nichtbanken bereitstellen. Ziel ist die Förderung von Innovationen und Wettbewerb.  Damit könnte Facebook Nutzer direkt nach Bankdetails anfragen und wenn sie diese bereitstellen, Zahlungen ohne Intermediäre entgegennehmen.

Alarmiert dies Schweizer Banken?

Im Interview mit dem deutschen IT-Finanzmagazin äussert Jürg Weber, Chef der Payment Sparte der SIX Group, noch keine Existenzängste. Denn die Kunden vertrauten lieber noch auf Schweizer Banken, als ihre Daten internationalen Konzernen freizugeben, mit welchen ein allfälliger Rechtsstreit im internationalen Raum wenig glorreiche Aussichten verspricht.

Twint als Antwort auf die Marktkraft der GAFA’s?

Mit der Fusion von Paymit und Twint haben die Schweizer Banken aus Sicht des BEI | CC Sourcing beste Voraussetzungen geschaffen, um im Wettbewerb mit Social Media Payment Anbietern zu bestehen. Das neue Twint ermöglicht einfache Zahlungen über Beacons oder QR-Codes am physischen Point of Sale, dient als Zahlungsinstrument im E-Commerce Bereich und ermöglicht einen einfachen Real-Time-Transfer zwischen Privatpersonen (P2P). Zudem gehen die möglichen Funktionen innerhalb Twint weiter und unterstützen Kunden und Geschäfte durch virtuelle Rabattkarten und Coupons.

Twint hat Potenzial, sich im Markt stark zu etablieren – insbesondere nach der erfolgten Fusion und der damit verbundenen Bündelung von Ressourcen und Marktkraft hinter einem Tool. Aber die Konkurrenz schläft nicht und setzt auf erweiterte technologische Möglichkeiten auf dem mobilen Kanal. PSD2 erleichtert es zudem Nicht-Banken wie den GAFA’s (Google, Apple, Facebook, Amazon), als AISP (Account Information Service Provider) Nutzern konsolidierte Mehrwerte zu bieten und die Bank damit auf den Platz des Zulieferers zu verbannen.

Der heutige Setup und Spirit lassen hoffen, dass das Konsortium rund um Twint weitere Antworten auf künftige Herausforderungen liefert. Wohin die Reise gehen könnte? Die Ankündigung, dass eben diese GAFA’s in ein gemeinsames Artifical Intelligence Projekt (Künstliche Intelligenz) investieren, könnte einen möglichen Weg aufzeigen….

 

Links zum Thema:

https://www.iso-20022.ch/lexikon/psd2/

https://techcrunch.com/2016/12/07/facebook-just-secured-an-e-money-license-in-ireland-paving-way-for-messenger-payments-in-europe/

https://techcrunch.com/2017/01/12/what-facebooks-european-payment-license-could-mean-for-banks/

http://www.it-finanzmagazin.de/apple-google-co-koennen-beim-mobilen-bezahlen-gar-nicht-alle-nischen-besetzen-interview-six-group-43721/?mc_cid=0f854339e4&mc_eid=eb1289195c

http://venturebeat.com/2017/01/27/apple-joins-amazon-google-facebook-in-partnership-on-ai-research-project/?utm_content=buffer8c8ca&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

 

Bildquelle:

http://www.paymit-twint.ch

 

 

Christine Popp

Christine Popp ist in strategischen Beratungsprojekten des CC Sourcing tätig und baut daneben das Competence Center Consumer Data Innovation mit auf. Ihr Interesse gilt Innovationsmethoden und der sinnvollen Verwertung von Daten im Hinblick auf die Optimierung der Customer Experience. Während ihres Masterstudiums in Business Innovation an der HSG absolvierte sie eine Design Thinking Ausbildung an der Stanford University.
Christine Popp

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