Wie weit gehen Banken bei der Erschliessung von Ecosystemen?

Es gibt kaum eine Branche, die sich nicht mit der Digitalisierung beschäftigt. Die Digitalisierung ist schon längst da, auch bei Banken hält sie Einzug: Robo Advice, Crowdfunding-Lösungen oder NFC-Zahlungen sind Beispiele, die das belegen. Digitalisierung bedeutet aber nicht nur PFM oder mobile Zahlungslösungen anzubieten, sondern kundenzentriert das Ecosystem zu erschliessen.

Eine aktuelle Studie des CC Sourcing der Institute für Wirtschaftsinformatik der Universitäten St. Gallen und Leipzig in Kooperation mit e-foresight zeigt auf, wie Banken die Erschliessung des Ecosystems angehen.

Wie weit sind Banken bei der Erschliessung von Ecosystemen?

Lange Zeit befanden sich Banken gerade aufgrund von Regulationen und den daraus resultierenden Geschäftsmodellen in einem geschützten Kokon. Sie mussten weniger in neue Möglichkeiten und Technologien investieren, als dies in anderen Branchen der Fall war. Doch das vermag sich zu ändern. Digitalisierung ist der Treiber zur Erschliessung von neuen Geschäftsmodellen und Ecosystemen. Doch die 38 befragten Banken befinden sich erst in den Startlöchern wie die Studie zeigt (vgl. Abbildung). Gegenüber 2014 hat die Relevanz digitaler Initiativen nicht zugenommen, sondern im Gegenteil eher abgenommen.

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Auf den ersten Blick erstaunt dieses Ergebnis, auf den zweiten lässt sich jedoch eine klare Stossrichtung erkennen. Denn Banken digitalisieren nicht einfach ins Blaue, sondern priorisieren entlang ihrer Digitalisierungsroadmap. Es werden ganz gezielt Bereiche in der Beratung digitalisiert und Möglichkeiten zur Kooperation auch mit branchenfremden Playern identifiziert (vgl. Abbildung).

Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Kooperationsmodelle zur Erschliessung von Ecosystemen noch lange nicht die Grenzen des Möglichen darstellen:

  • In der Schweiz haben sich mehrere Banken an FinTech-Startups beteiligt.
  • Die wenigsten FinTech-Startups sind in einem rein kompetitiven Modus, sondern wollen mit Banken vermehrt kooperieren.
  • Die Konsolidierung der einheimischen Mobile Payment-Angebote führte zu einer verlangsamten Entwicklung. Die internationalen Angebote konnten sich bisher noch nicht durchsetzen. Messenger-based Payment ist in der Schweiz noch kein Thema – international ein grosses.
  • Digitale Vermögensverwaltung konzentriert sich in der Schweiz aktuell stark auf die digitale Beraterunterstützung.
  • Online Hypotheken sind ein dominierendes Feld mit unterschiedlichen Services geworden.
  • Digital Banking KMU rückt vermehrt in den Fokus der einzelnen Banken – erste Angebote sind lanciert oder angekündigt.
  • In den letzten Monaten beschäftigten sich Banken vermehrt mit Crowdfunding-Lösungen.

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Wie sehen künftige Geschäftsmodelle aus?

Obwohl die Banken im Rahmen der Digitalisierungsstrategien Prioritäten setzen, bestehen immer noch grosse Unsicherheit bei der Umsetzung und Zurückhaltung bei der Anpassung von Geschäftsmodellen. Die Realisierung einzelner digitaler Services steht noch im Vordergrund.

Neue Geschäftsmodelle, welche nicht nur den Fokus auf einzelne Services legen, sondern auf datengetriebene Geschäftsmodelle, welche den Kunden und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen, erlauben die Erschliessung von Ecosystemen. Nachfolgende Abbildung verdeutlicht die Kernelemente, die dabei im Vordergrund stehen.

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Agile Vorgehensweisen und der notwendige kulturelle Wandel, der Digital Mindset, sind Treiber, um den Wandel hin zu einer konsumentenzentrierten Perspektive zu ermöglichen. Digitalisierung soll den Kunden befähigen und nicht entmündigen. Das Stichwort der digitalen Demenz zeigt, dass es beispielsweise bei Robo Advice nicht darum geht, den kompletten Investmententscheid einer Maschine zu überlassen. Sondern es geht darum, mithilfe von Robotern und weiteren Technologien dem Kunden zu assistieren, wobei der letzte Entscheid vom Kunden selbst, nicht zuletzt auch mit gesundem Menschenverstanden, gefällt wird. Laut Studie hat sich gezeigt, dass 87% der Befragten den Schalter nicht durch Maschinen ersetzen und demnach ein Verständnis mit dem Umgang von Robotern vorhanden ist.

Die Studie verdeutlicht, dass die Digitalisierungswelle den Anfang für die Bildung von Ecosystemen darstellt. Branchenfremde Beispiele wie Amazon oder auch Google zeigen, dass hierfür eine kundenzentrierte Perspektive eingenommen und die Bedürfnisse der Konsumenten ins Zentrum gestellt werden müssen. Das CC Sourcing wird mit dem Start des neuen Forschungszyklus die Servicebündelung rund um Kundenbedürfnisse methodisch angehen und Wege für die Zukunft aufzeigen.

 

Haben Sie Interesse an der Studie? Diese steht hier zum Download zur Verfügung.

Rebecca Nüesch

Rebecca Nüesch ist seit sechs Jahren Mitarbeiterin im CC Sourcing. Nach ihrem Masterstudium in Media and Technology Management in St. Gallen und einer Promotion im Bereich der Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Leipzig und St. Gallen leitet sie heute den Bereich Innovation und Research im CC Sourcing.
Rebecca Nüesch ist Mitglied des Leitungsteams im CC Sourcing. Sie ist Spezialistin rund um die Kundeninteraktion mit Finanzinstituten und der Ausgestaltung von künftigen Ecosystemen im Markt.
Rebecca Nüesch

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