Studie: Ecosystems 2021 – was bringt die Zukunft?

Das Denken in Ecosystems hat bereits in der Platform Economy zahlreiche Industrien umgewälzt.[1] So hat sich beispielsweise die Reisebranche in den letzten Jahrzehnten fundamental verändert: von monolithischen Strukturen, die von vertikal integrierten Reiseveranstaltern dominiert waren, hin zu offenen Ecosystems mit gemeinsamer Infrastruktur (z. B. Plattformen), die sich ständig weiterentwickeln und immer neue Facetten annehmen. Statt traditioneller integrierter Wertschöpfungsketten bieten Unternehmen im digitalen Zeitalter ihre Produkte und Dienstleistungen zunehmend in Ecosystems an. Auch die Finanzindustrie und ihre Akteure erbringen ihre Dienstleistungen immer mehr in Ecosystems. Experten gehen davon aus, dass bis 2025 rund 30 % der weltweiten Erträge der Finanzindustrie in branchenübergreifenden Ecosystems erwirtschaftet werden[2].

Unter Ecosystems verstehen wir sich dynamisch entwickelnde Gemeinschaften verschiedener Akteure (z. B. Unternehmen, Konsumenten oder Institutionen), welche durch die gemeinsame Nutzung von Ressourcen (z. B. über eine Plattform) und durch Einhaltung gemeinsam vereinbarter Werte (Governance) Märkte bilden und in einem gemeinsamen Geschäftsmodell Mehrwert schaffen.[3]

Die Grenzen eines Ecosystems sind kontext-, ziel- und problemstellungsgetrieben und meistens nicht eindeutig definierbar. Alle Akteure schaffen gemeinschaftlich Wert, wobei die gemeinschaftliche Wertschöpfung auf eine übergreifende Ziel- bzw. Problemstellung ausgerichtet ist, auf indirekten Netzwerkeffekten basiert und durch eine gemeinsame Sprache, Schnittstellen und Institutionen gesteuert wird[4].

Für Finanzdienstleister stellt sich die Frage, ob und wie sie sich in neu entstehenden Ecosystems positionieren wollen, und wie ein mögliches Produkt- und Dienstleistungsangebot ausgestaltet werden soll. Auf Prozessebene wird die Positionierung innerhalb der Wertschöpfungskette ein Thema sein, während im Bereich der IT-Systeme die Ausgestaltung und Modularisierung der Kernsysteme erfolgsentscheidend sein werden. Ähnliche Themen sind auch auf Ebene der Ecosystems zu adressieren. Prozesse werden zwischen den verschiedenen Unternehmen kollaborativ bearbeitet und es müssen die systemtechnischen Voraussetzungen für einen unternehmensübergreifenden Austausch von Informationen und Daten gelegt werden.

Die Teilnahme an Ecosystems ist für Finanzdienstleister mit umfassenden Chancen verbunden: stärkere Kundenbindung und Fokussierung, neue Formen der Erlösgenerierung, Einbindung spezialisierter Partner sowie die Aufteilung von Kosten. Allerdings sind auch signifikante Risiken zu berücksichtigen: Verlust der Kundenschnittstelle, Bedenken bezüglich Datensicherheit und des Teilens von wertvollen Daten, sinkende Margen, Kontrollverlust sowie Verlust der Markenidentität.

Die vorliegende Studie erörtert folgende Kernfragen:

  • Welche Ecosystems werden sich in Zukunft bilden, was sind mögliche Mechanismen der Kollaboration, und wie verläuft der Datenaustausch zwischen den Partnern im Ecosystem?
  • Wie können sich Finanzdienstleister in Ecosystems positionieren, welchen Einfluss hat die Teilnahme im Ecosystem auf ihre zukünftigen Erlösmodelle, Unternehmensprozesse und auf die Systemtechnologie?
  • Welchen Veränderungsbedarf gibt es bei der Kundendatenhaltung, und wie können sich Finanzdienstleister im Hinblick auf die Datenhoheit bei ihren jeweiligen Kundengruppen positionieren?
  • Welchen Einfluss hat die Kollaboration im Ecosystem auf die Führung im Unternehmen, und wer “führt” das Ecosystem?

Die hier vorgestellte Studie wurde von Deloitte Consulting AG Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Business Engineering Institute St. Gallen durchgeführt.

Die vollständige Studie können Sie weiter unten auf dieser Seite unter “Downloads” auf Deutsch herunterladen. Die englische wie auch die französische Version finden Sie auf https://bei-sg.ch/ unter “Aktuelles”.


[1] Lewrick Michael, L. P. (2018). The Design Thinking Playbook. München: Vahlen Verlag.

[2] Volkswirtschaft, D. (2018). Das Ende des Branchendenkens. https://dievolkswirtschaft.ch/de/2018/06/gassmann-lingens-07-2018/

[3] Burkhalter, M. (2018). Geschäftsmodellierung im Ecosystem. Competence Center Ecosystems 7, Workshop 7.

[4] Betz, C. (2018). Kollaboration im Ecosystem. Competence Center Ecosystems 8, Preworkshop.

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