Rückblick auf das Hypoforum 2019

Am 20.11.2019 fand das 12. Hypoforum (ehemals Fachforum für Hypothekar- und Finanzierungsmanagement) in Zürich statt. Auch in diesem Jahr wurden aktuelle Entwicklungen im Bereich Hypothekar- und Kreditmanagement analysiert und mögliche Zukunftsszenarien für die Branche diskutiert. Das Hypoforum findet jährlich in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik der Universität St. Gallen und dem Bankenberatungszentrum St. Gallen statt und trägt den sich stetig verändernden Rahmenbedingungen und Strukturen in der Branche Rechnung. Im folgenden Artikel werden die Inhalte des Hypoforums 2019 zusammengefasst. Weitere Informationen zur nächsten Veranstaltung am 28.10.2020 finden Sie unter https://www.hypoforum.ch/event/. Bei Anfragen für Vorträge oder Wunschthemen für das Hypoforum 2020 steht Katharina Schache gerne als Kontakt zur Verfügung (katharina.schache@bei-sg.ch). Übrigens: Die Teilnahme am Hypoforum kann für die SAQ-Rezertifizierungen «Individualkundenberater», «KMU Kundenberater», «Certified Wealth Management Advisor (CWMA)» und «Affluent Kundenberater» angerechnet werden.

Stefanie Auge-Dickhut (Head CC Ecosystems, Business Engineering Institute St. Gallen) und Christian Betz (Research Associate, Business Engineering Institute St. Gallen) leiteten das Hypoforum mit aktuellen Forschungsergebnissen aus dem Bereich Business Ecosystems ein und räumten mit vorherrschenden Missverständnissen rund um das Thema auf. Im Mittelpunkt stand hier insbesondere die Relevanz dieses neuen Wertschöpfungsparadigmas im Kontext der Digitalisierung, sowohl für die gesamte Finanzindustrie als auch speziell für den Hypothekarmarkt. Dabei wurden die Voraussetzungen für die Funktionsweise von Ecosystemen sowie Beispiele etablierter Ecosysteme vorgestellt.

Anschliessend stellte Tom Jakob (Leiter Plattform Valuu, Postfinance) die Hypothekenplattform Valuu vor, die einen digitalen, Plattform-orientierten Ansatz der Hypothekarvermittlung und des Online-Abschlusses verfolgt. Schwerpunkte waren insbesondere die Fragestellungen, wie Valuu sich am Markt positioniert und mit welchen Angeboten die Plattform einen Mehrwert für Hypothekarnehmer und Kreditgeber schafft.

Im Anschluss referierte Roger Heines (Research Associate, Business Engineering Institute St. Gallen) über Möglichkeiten und Grenzen der Blockchain und Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und erklärte, was diese Technologien auszeichnet und welche Relevanz sie für den Hypothekenmarkt haben. In diesem Zusammenhang zeigte er den aktuellen Stand der Forschung und Anwendungsfelder im Immobilienmarkt auf. Auch aktuelle Beispiele von Unternehmen im Hypothekarbereich, die schon Blockchain nutzen, wurden diskutiert, zum Beispiel Real Estate Investing, auf deren Plattform Immobilienanteile mittels digitalisierter Tokens gehandelt werden können.

In einem weiteren Vortrag zu den Potentialen der Blockchain/DLT ging Bastiaan Don (Managing Director, Blockimmo) darauf ein, wie Tokenisierung mittels Blockchain-Technologie für den kosteneffizienten und schnellen Handel von Immobilien genutzt werden kann und welches Potential diese Technologie für die Zukunft des Immobilienhandels birgt. Blockimmo selbst ermöglicht durch die Nutzung der Blockchain fragmentierte Immobilieninvestments und den Handel von Immobilienanteilen.

Lorenz Klöti (COO, Avobis) und Patrick Schmid (CEO, Immosparrow) referierten darüber, wie Big Data und Künstliche Intelligenz in der Wertschöpfungskette des Hypothekargeschäfts eingesetzt werden können. Hierbei erläuterten sie, wie der Hypothekarprozess von der Suche der Immobilie über die Finanzierung bis hin zum Verkauf mit der Nutzung von Daten (Big Data, Smart Data, Machine Learning etc.) optimiert werden kann. Darüber hinaus gingen sie darauf ein, wie Hypothekargeber durch die Nutzung von Big Data in Kürze von dynamischen Portfolio-Analysen profitieren können und das Kundenerlebnis im Beratungs- und Finanzierungsprozess durch die Anwendung Künstlicher Intelligenz gesteigert werden kann. Abschliessend wurde in einer Live Demo veranschaulicht, wie Avobis und Immosparrow durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz den Schätzprozess für den Wert einer Immobilie optimieren.

Anschliessend erläuterten Yves Blättler (COO, K&W Software) und Ernesto Pallotti (Mitglied der Direktion, WIR Bank) anhand der Kooperation der WIR Bank mit dem Software-Provider K&W Software, wie der Kreditvergabeprozess end-to-end digitalisiert und damit optimiert werden kann. Hierbei wurde aufgezeigt, wie durch eine Kooperation mit Third-Party-Providern eine Effizienzsteigerung beim Kreditmanagement erfolgen und wie diese Zusammenarbeit prozessual umgesetzt werden kann. Ebenfalls wurde das final implementierte Kredit-Beratungstool in einer Live Demo vorgestellt.

Der zweite Themenblock des Hypoforums fokussierte sich ganz auf FinTechs aus dem Hypothekar- und Finanzierungsumfeld. Den Anfang machte Geert van Kerckhoven, CEO von Oper. Oper ist ein modular aufgebautes Kreditmanagementsystem, dass sich in bestehende IT-Infrastrukturen einfügt, sodass der gesamte Hypothekarprozess oder Teile digitalisiert werden können. In dem Vortrag wurde speziell auf das durch Oper bereitgestellte smarte Dokumentenmanagement-Tool eingegangen, das unter anderem automatisch erkennt, welche Dokumente während der Hypothekenantragsstellung benötigt werden, und mittels OCR-Technologie die Dokumentenprüfung für Finanzdienstleister vereinfacht.

Einen Ansatz zur Etablierung eines Ecosystems für den Schweizer Hypothekarmarkt präsentierten Hanspeter Ackermann (CEO, Credit Exchange) und Andrea Canonica (CXO, Credit Exchange AG). Sie erläuterten die Idee hinter der Auktionsplattform CreditExchange, die Marktteilnehmer miteinander verbindet. Auf der einen Seite können Kreditnehmer, als Hausbesitzer oder Käufer, ihre individuelle Anfrage für eine Hypothek auf der Plattform lancieren. Auf der anderen Seite können beteiligte Partner, Banken, Versicherungen und Pensionskassen Hypotheken anbieten. Hierbei wird das Ziel verfolgt, Transparenz und Vergleichbarkeit für den Endkunden zu schaffen und Effizienzsteigerungen sowie eine Trennung von Vertrieb, Verarbeitung und Risk Carrier für Hypothekenanbieter zu schaffen.

Anschliessend erläuterte Jens Siebert (CSO, Kapilendo) das Ziel von Kapilendo: die Entwicklung einer Banking-Plattform für den Mittelstand. In seinem Vortrag teilte er neun Erkenntnisse aus der Plattformentwicklung, wie beispielsweise die Notwendigkeit der genauen Einordung des eigenen Geschäftsmodells, da nicht jeder Anbieter mit einem Ecosystemansatz die Rolle des Orchestrators einnehmen oder Skaleneffekte realisieren kann. Daneben stellte Jens Siebert in einer Live Demo die Funktion des 360-Grad-Finanzcockpits von Kapilendo vor und erläuterte, wie Kapilendo adaptives Nutzerverhalten für die Individualisierung der Kundenschnittstelle einsetzt sowie Drittlösungen innerhalb der Plattform sinnvoll einbindet.

Einen Ansatz zur Digitalisierung innerhalb des Kreditprozesses zeigte Werner Möckli (CEO Terravis) mit der Plattform Terravis. Terravis ist das elektronische Auskunftsportal für Grundbuchdaten und Daten der amtlichen Vermessung in der Schweiz. Werner Möckli erläuterte die Entwicklung von Terravis und gab einen Ausblick auf geplante Ausbaustufen der Plattform. Beispielsweise wurde die Möglichkeit von automatisierten Grundbuchgeschäften in Aussicht gestellt, mittels deren im Falle eines Gläubigerwechsels eine automatisierte Verarbeitung der Grundbuchdaten sowie eine vollautomatisierte Nachtragung im Grundbuchregister erfolgen.

Abgerundet wurde das Hypoforum 2019 durch den Vortrag von Ursina Kubli (Leiterin Immobilien Analytics, Zürcher Kantonalbank) zur gesamtwirtschaftlichen Betrachtung der aktuellen Marktsituation am Wirtschaftsstandort Schweiz. Sie diskutierte aktuelle Entwicklungen am Schweizer Hypothekar- und Finanzierungsmarkt und erläuterte, welche Chancen und Risiken diese für Eigenheim- und Renditeliegenschaftsbesitzer bergen. Beispiele sind der steigende Immobilienleerstand und der erneute Zinsrutsch im Hypothekarbereich. Hierbei profitieren bestehende Mieter von Referenzzinssenkungen, die laut Prognose bis 2022 weiter sinken sollen. Eine weitere interessante Erkenntnis ist, dass es aufgrund des aktuellen Zinsniveaus günstiger ist, eine Immobile zu kaufen, anstatt sie zu mieten.

Am Ende der Veranstaltung nahmen die Teilnehmer drei zentrale Erkenntnisse mit:

  1. Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz und die Nutzung von Big Data haben auch Auswirkungen auf die Geschäftsmodelle im Hypothekar- und Finanzierungsgeschäft.
  2. Ecosystem-Ansätze gewinnen eine immer grössere Bedeutung in der Branche und erste erfolgreiche Hypothekar-Ecosystems sind bereits am Markt vertreten.
  3. Die Services von Startups eröffnen neue Möglichkeiten der Kooperation für etablierte Unternehmen und bieten nicht nur internes Optimierungspotential, sondern auch Verbesserungen an der Kundenschnittstelle.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gleich für das nächste Hypoforum 2020 am 28.10.2020 an oder schreiben Sie eine E-Mail an katharina.schache@bei-sg.ch, damit wir Sie auf den Mail-Verteiler für die kommende Veranstaltung nehmen können.

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