Food for Thought – Buchempfehlungen zur Inspiration

Die Feiertage sind vorbei, das Jahr 2018 ist offiziell beendet und wir starten nun (hoffentlich) alle motiviert und voller Tatendrang in das neue Jahr. Viele von uns nehmen sich speziell zwischen den Jahren die Zeit, sich mal auf sich selbst zu konzentrieren. Viele verbringen die Zeit gerne mit Freunden oder der Familie, die über das Jahr hinweg oftmals zu kurz kommen. Andere lassen einfach die Seele baumeln und laden so ihre Batterien wieder auf, um dann im neuen Jahr voller Energie ans Werk zu gehen. Einige nutzen die Zeit auch, um sich über die eigenen ganz persönlichen oder beruflichen Absichten oder Ziele klar zu werden und schmieden Pläne bzw. fassen Vorsätze für das kommende Jahr. Ein solcher Vorsatz ist meistens: Mehr Bücher lesen. Im besten Fall noch Bücher, die nichts mit dem eigenen Beruf zu tun haben, um auf neue Gedanken oder Ideen aufmerksam zu werden und so den eigenen Horizont zu erweitern. Da mir dieser Punkt persönlich sehr am Herzen liegt und ich gleichzeitig selbst immer dankbar für Buchempfehlungen bin, möchte ich in diesem Blogbeitrag gerne sechs Buchtipps teilen, die mich über das letzte Jahr inspiriert, herausgefordert oder einfach meinen Horizont erweitert haben.

1. Sapiens: A Brief History of Humankind (Yuval Noah Harari)

Der Historiker Harari veröffentlichte in den letzten Jahren gleich mehrere überaus populäre Werke. Neben Sapiens: Eine kurze Geschichte der Menschheit (2011) erschienen ausserdem Homo Deus (2015) und 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert (2018). Obwohl alle drei seiner populärwissenschaftlichen Werke überaus empfehlenswert sind, möchte ich hier nur auf sein erstes Buch eingehen, da es bei mir das grösste Aha-Erlebnis auslöste. Harari beschreibt in Sapiens pointiert die etwa 70.000-jährige Entwicklungszeit der Menschheit, die im Vergleich mit einem 13,7 Mrd. Jahre alten Universum eher einem Wimpernschlag gleicht. Für Harari hat der Mensch gegenüber allen anderen Tieren auf der Erde einen ganz wesentlichen Vorteil. Er ist Meister darin, Geschichten zu erfinden, diese mit seinen Weggefährten zu teilen und der Welt eine gemeinsame subjektive Realität zu geben, um sie dann ganz nach seinen Vorstellungen zu formen und weiterzuentwickeln. Harari zeigt die Entwicklung der Menschheit anhand von 4 Meilensteinen auf: 1) der kognitiven Revolution, 2) der landwirtschaftlichen Revolution, 3) der Vereinigung der Menschheit und schliesslich 4) der wissenschaftlichen Revolution. Herausragend war bei der Lektüre für mich die Erkenntnis, dass sich die Menschheit durch vermeintliche Neuerungen, neue Fähigkeiten oder aber neue Paradigmen oftmals in ganz neue, unumkehrbare Abhängigkeiten hineinmanövriert hat, die vorher nicht absehbar waren. Der Mensch überschätzt dabei im grossen Ausmass seine eigenen Fähigkeiten und unterschätzt etwaige Auswirkungen seiner Handlungen. Ein Problem, das heutzutage nicht aktueller sein könnte. Trotz all der kritischen Gedanken, die Harari beschreibt bzw. welche dem Leser selbst in den Sinn kommen, bietet das Buch die Chance, die kollektiven Errungenschaften der Menschheit aus der Vogelperspektive zu betrachten bzw. bewundern zu können. Ein spannendes und gleichzeitig erdendes Werk, das das Potential hat, die eigene Perspektive zu erweitern oder an der ein oder anderen Stelle zu überdenken.

2. Originals: How Non-Conformists Move the World (Adam Grant)

Wie wichtig es ist, die richtigen Perspektiven einzunehmen beschreibt im weitesten Sinne der Psychologieprofessor Adam Grant in seinem Buch Originals. Denn neue Perspektiven bringen neue Ideen und stellen oftmals sogar das in Frage, was wir stets für Gegeben gehalten haben. Bestehendes zu hinterfragen und weiterzuentwickeln klingt zwar erst einmal richtig und erstrebenswert, doch beim genaueren Hinsehen stellen sich diverse Fragen: Wann ist eine Idee eigentlich gut bzw. originell? Wann wird einer Idee Gehör geschenkt, speziell dann, wenn Menschen an bestehenden Ideen und Strukturen festhalten? Grant stellt dabei mehrere Geschichten von Personen vor, die originelle Ideen entwickelten und diese gegenüber anderen vertreten mussten: manchmal mit Erfolg, manchmal vergebens. Er entschlüsselt dabei, warum manche Personen besonders erfolgreich sind und woran andere scheiterten. Angefangen vom Entrepreneur, der seinen Sales Pitch damit beginnt, warum er nicht in die eigene Firma investieren würde, bis hin zum CIA-Analysten, der sich gegen die bestehenden Geheimhaltungsrichtlinien stellt. Besonders gut haben mir ausserdem Grants konkrete Handlungsempfehlungen gefallen, die gesammelt ans Ende des Buchs stellt – perfekt um auch nach der Lektüre des Buchs die Empfehlungen schnell aufzufrischen. Beispielsweise das strategische Aufschieben von Aufgaben, das Einnehmen von verschiedenen Perspektiven, wie z. B. die des Feindes, oder der oft unterschätzte Stellenwert von Kritik bzw. ehrlichem Feedback. Überraschende und sehr pragmatische Ideen, die schnell in den eigenen Alltag integriert werden können.

3. The Brain: The Story of You (David Eagleman)

Die grössten Ideen unserer Zeit entstammen allesamt der Ansammlung von kleinsten Nervenzellen in unseren Köpfen: unserem Gehirn. Der Neurowissenschaftler David Eagleman beschäftigt sich im Rahmen seiner wissenschaftlichen Laufbahn im Detail mit der Funktionsweise unseres Gehirns und erklärt verständlich den neusten Stand der Gehirnforschung und wie dieses zauberhafte Organ zu funktionieren scheint. Zauberhaft deswegen, weil es immer noch unvorstellbar scheint, wie das Netzwerk aus Zellen, elektrischen Impulsen und chemischen Reaktionen zu etwas so Faszinierendem wie einem Bewusstsein führt. Eagleman entschlüsselt dabei wichtige Fragen wie: Wer bin ich? Was ist Realität? Wer kontrolliert (meine) Realität? Wie werden Entscheidungen getroffen? Spannend ist dabei, wie unser Gehirn viele unserer Gedankenprozesse eigentlich per Autopilot steuert und unser Bewusstsein unsere Gedanken und Entscheidungen erst im Nachhinein rationalisiert, indem es Gedanken und Gefühlen Kontext und Sinn gibt. Ausserdem deuten aktuelle Forschungsergebnisse darauf hin, dass es sich beim menschlichen Willen keineswegs um einen freien Willen im philosophischen Sinne handelt. Wir haben als Mensch oftmals kaum bis keinen Einfluss auf die Entscheidungen, die unser Unterbewusstsein fällt. Zahlreiche neurowissenschaftliche Versuche zeigen dabei eindrücklich, wie Entscheidungen beispielsweise durch einfache Magnetimpulse am Gehirn beeinflusst werden können. Eagleman schafft es jedoch dabei, zu keiner Zeit Frustration oder Hilflosigkeit hinsichtlich unseres unfreien Willens aufkommen zu lassen; vielmehr liest sich das Buch wie eine fesselnde Beschreibung davon, wie das Ich funktioniert. Definitiv eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die Funktionsweise unseres Denkens interessieren und genauer verstehen möchten, wie die eigene Gedankenwelt eigentlich arbeitet.

4. The Subtle Art of Not Giving a F*ck: A Counterintuitive Approach to Living a Good Life (Mark Manson)

Nachdem wir festgestellt haben, dass die Menschheit mit ihrer nur knapp 70.000-jährigen Geschichte im Kontext der 13,7 Mrd. Jahre unseres Universums komplett irrelevant ist und uns Eagleman aus neurowissenschaftlicher Sicht sogar den freien Willen abspricht, was bleibt uns dann noch übrig? Dies ist der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem Blogger Mark Manson und seinem Buch The Subtle Art of Not Giving a F*ck zu beschäftigen. Manson verabschiedet sich darin vom allgemeinen und oft zitierten Ansatz: Think positive. Das Leben ist kompliziert und unvorhersehbar. Und zu allem Unglück nicht fair. Bei all den negativen Erfahrungen, die wir im Leben machen, ist für uns immer wichtig: Negative Gefühle müssen wir hinter uns lassen und positive Gefühle müssen her. Manson zeigt dabei aber: Der stetige Wunsch nach positiven Erfahrungen ist in sich selbst eine negative Erfahrung, denn er führt zu Unzufriedenheit. Die Akzeptanz negativer Erfahrungen hingegen ist in sich eine positive Erfahrung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, woran das Individuum positive oder negative Erfahrungen misst. Die Skala dafür geben wir uns selbst durch unsere Werte und Ziele. Und diese können wir durchaus beeinflussen bzw. wir können lernen, es zu tun, um uns um diejenigen Dinge zu kümmern, die uns wirklich wichtig sind. „To not give a fuck“ bedeutet in Mansons Buch keineswegs, uns für nichts mehr im Leben zu interessieren, sondern uns bewusst mit unseren Schwächen und Unzulänglichkeiten auseinanderzusetzen und unseren Problemen zu stellen. Denn Glück entsteht nicht dadurch, dass Probleme vermieden werden, sondern dadurch, dass sie gelöst werden. Manson lehrt uns dabei Lebensweisheiten, die auf den ersten Blick allem widersprechen, was wir bisher gelernt haben. Dies tut er mit einer gesunden Mischung aus wissenschaftlichen Studien und vulgären Witzen. Erhellend und gleichzeitig erheiternd. Fast read – Must read!

5. WTF: Whats the Future and Why Its Up to Us (Tim O’Reilly)

Nach dem Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart darf auch der Blick in die Zukunft nicht fehlen. Tim O’Reilly, Gründer des O’Reilly Verlags, Autor und Softwareentwickler aus dem Open-Source-Bereich, spricht in seinem Buch WTF: Whats the Future and Why Its Up to Us über gegenwärtige technologische Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Zukunft. O’Reilly zählt zu den prominentesten Vertretern des Open-Source-Konzeptes sowie des „Web 2.0“-Begriffs, welcher speziell nach einem seiner Artikel aus dem Jahr 2005 international grosse Aufmerksamkeit fand. In seinem Buch zeichnet er die Entwicklungen der grossen Internetkonzerne nach und erklärt am Beispiel von Google, Facebook, Uber und Airbnb, wie sich das Internet und die darauf aufbauenden Geschäftsmodelle geändert haben und wie Wertschöpfung neu gedacht wurde. Darüber hinaus beschreibt O’Reilly, wie schon heute Algorithmen unsere Wirtschaft sowie unser Sozialleben beeinflussen bzw. steuern und welche (zum Teil) fatalen Folgen das haben kann. Er kritisiert dabei zahlreiche Entwicklungen, die speziell die grossen Technologiekonzerne vorangetrieben haben, und beleuchtet einige Entwicklungen als strukturell falsche Design-Entscheidungen. Die konsequente Weiterentwicklung von Strukturen bzw. Algorithmen ist jedoch notwendig, um relevant zu bleiben bzw. um aktuelle Probleme zu lösen. So arbeitet Google beispielsweise konstant daran, seine Suchalgorithmen weiterzuentwickeln, um Suchergebnisse noch relevanter zu gestalten. Facebook auf der anderen Seite ist damit beschäftigt, Algorithmen zu entwickeln, um die aktive Nutzung der Plattform zu steigern oder aber um dem grossen Problem der Fake News entgegenzuwirken, ohne jedoch auf reine Zensur zu setzen. Am Ende zeigt O’Reilly, dass ein Perspektivenwechsel notwendig ist, der den Menschen ins Zentrum unseres Denkens setzt, und dass Technologie letzten Endes dazu dient, das Wohl des Einzelnen sicherzustellen. Stets praxisnah und mit zahlreichen Beispielen erläutert, die in der Zeit von Plattformen und Ecosystemen nicht aktueller sein könnten.

6. Life 3.0: Being Human in the Age of Artificial Intelligence (Max Tegmark)

Mit Life 3.0 geht der Blick schliesslich weit in die Zukunft, wodurch das Buch fast wie ein Science-Fiction-Werk anmutet. Der Physiker und Wissenschaftsphilosoph Tegmark beginnt Life 3.0 mit der Geschichte einer künstlichen Intelligenz (KI). Anfangs lernt diese KI, Aufträge aus dem Amazon-Mechanical-Turk-Bereich selbstständig abzuarbeiten, um sich so vollständig selbst finanzieren zu können. Die Geschichte endet damit, dass die KI weitreichend in Politik und Gesellschaft eingreift und Menschen vollständig entmündigt. Handelt es sich dabei um eine wahre Geschichte oder wurde alles frei erfunden? Jeder wird hier einen ganz individuellen Zeitpunkt finden, an dem er ins Zweifeln gerät. Das Buch führt den Leser in den weiteren Kapiteln schrittweise an das Thema KI heran und beantwortet fundamentale Fragen wie: Was ist Intelligenz? Kommt es zu einer exponentiellen Entwicklung von Intelligenz auf unserem Planeten? Wenn ja, wann? Welche Szenarien ergeben sich für künstliche Intelligenzen, sofern die Menschheit in der Lage sein wird, eine universelle KI wirklich zu entwickeln? Was ist Bewusstsein und kann eine Maschine ein eigenes Bewusstsein entwickeln? Das Buch greift dabei auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie auf Arbeitsergebnisse aus dem „Future of Life Institute“ zurück, einer Gesellschaft, welche weltweit unzählige Forscher, Visionäre und Vordenker zum Thema KI vernetzt. Technische Details darf der Leser hier nicht erwarten, vielmehr werden aktuelle Denkströme aufgegriffen und durch die Diskussion der verschiedenen KI-Szenarien in Relation gesetzt. Empfohlen wurde das Buch unter anderem von Elon Musk (https://twitter.com/elonmusk/status/902452162625544193?lang=de), der 2017 durch eine öffentliche Diskussion mit Mark Zuckerberg zum Thema Risiken der Entwicklung von künstlichen Intelligenzen Schlagzeilen machte. Life 3.0 hilft hier sicherlich, wichtige Fragen zu identifizieren, und liefert ebenfalls Denkanstösse, um diese Fragen zu klären. Ganz im Sinne von Musks Tweet: KI wird entweder das Schlimmste oder aber das Beste sein, was die Menschheit je gesehen hat, also lasst es uns richtig machen…

Christian Betz

Christian Betz ist als Doktorand für das CC Ecosystems tätig. Der Fokus seiner Forschungsarbeit liegt auf Finanzdienstleistungen in Ecosystemen und wie innovative Technologien, etwa DLT, unterstützend in Ecosystemen eingesetzt werden können. Vor seiner Tätigkeit am Business Engineering Institute war Christian 4 Jahre lang als Unternehmensberater im Bereich Digitalstrategie und digitale Transformation im Bankenbereich und am Kapitalmarkt tätig. Er absolvierte sein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Strategie und Finance an der EBS Universität in Oestrich-Winkel, an der Peking University sowie der Tsinghua University in Beijing.
Christian Betz

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