Die Suche nach guten Ideen

Sind Kundenbedürfnisse durch Needfinding erstmal erkannt, macht es Sinn, daraus Ideen für neue Services zu entwickeln. In einem früheren Artikel wurde die Methode des Design Thinking bereits im Überblick vorgestellt. Hier sollen nun unterschiedliche Herangehensweisen zur Ideenfindung genauer beleuchtet werden. Neben dem weit bekannten Brainstorming gibt es nämlich weniger verbreitete Vorgehen wie Brainwriting, die Walt-Disney-Methode oder SCAMPER, welche das Generieren kreativer Ideen unterstützen.

Bevor wir im Einzelnen auf diese eingehen scheint es wichtig, auf ein paar Grundsätze zur Ideenfindung hinzuweisen, die für alle Methoden gelten:

Grundsätze zur Ideenfindung

  • Sorgt für eine lockere Stimmung! Lachen ist erlaubt. Aufwärmübungen helfen, laterales Denken zu aktivieren.
  • Quantität vor Qualität: Sammelt so viele Ideen wie möglich und schreibt sie auf. Ein Wettbewerb, wer die meisten Ideen sammelt, kann dabei hilfreich sein.
  • Bleibt bewertungsfrei: Ideen werden zunächst nicht diskutiert oder beurteilt. Sie werden nur gesammelt. Falls dennoch Diskussionen entstehen, sollte die ganze Gruppe miteinander diskutieren, nicht nur einzelne Mitglieder
  • Vermeidet Abschweifungen: Hinterfragt immer wieder, ob ihr immer noch Ideen für die Fragestellung (oder möglicherweise schon für andere Fragestellungen) sammelt.
  • Stellt sicher, dass tatsächliche Lösungsideen generiert werden und nicht nur Anforderungen an die Lösungen definiert werden.
  • Die Priorisierung der Ideen erfolgt idealerweise erst in einem zweiten Schritt, wenn die Ideengenerierung abgeschlossen ist.
Das Aufwärmen

Bevor ein Team probiert, aus dem Stand auf möglichst gute Ideen zu kommen, lohnt sich eine Einstimmung auf die kommende Aktivität. Denn verständlicherweise ist es häufig eine Herausforderung, auf Anhieb Abstand vom Arbeitsalltag zu gewinnen und frische Ideen zu produzieren. Abhilfe schafft ein auflockerndes Warm-up. Für die Ideenfindung hilft zum Beispiel das «Strichmännchen-Aufwärmen»:

Tools: Post-ist, Stifte

Vorgehen:

  • Die Teilnehmenden erhalten den Auftrag, Strichmännchen für verschiedene Emotionen zu zeichnen: z. B. Freude, Langeweile, Ärger, Neid, …
  • Nach vorgegebener Zeit (5-10 min) klebt einer nach dem anderen die Post-its geordnet nach Emotion auf eine Tafel. Lacher und Auflockerung sind garantiert, daneben bereitet es die Teilnehmenden darauf vor, auch bei der Ideenfindung visuell zu denken.

Darüber hinaus lohnt es sich, nach dem Aufwärmen und vor der Ideenfindung den Kopf freizumachen: Denn häufig kommen Teilnehmende zu einem Brainstorming-Workshop für ein bestimmtes Problem zusammen und haben bereits eine Lösung im Kopf. Möglich, dass diese Idee am Schluss gewinnen wird. Schade wäre es dennoch, wenn die bereits bestehende Idee alle weiteren Ideen blockiert. Deshalb hilft es, vor Beginn der eigentlichen Ideenfindung einen sogenannten «Brain Dump» zu ermöglichen, bei dem die bestehenden Ideen schriftlich festgehalten und fürs erste deponiert werden können.

Und nun zu den eigentlichen Ideenfindungs-Methoden:

Brainstorming

Tools: Post-its, Stifte

Vorgehen:

  • Um den Fokus zu gewährleisten, ist beim Brainstorming eine konkrete Fragestellung entscheidend. Diese beginnt häufig mit «Wie könnten wir…». Zum Beispiel: «Wie könnten wir unsere Kunden dabei unterstützen, ein Eigenheim zu finden?»
  • Schreibt Ideen auf ein Post-it und klebt sie auf ein Papier oder eine Wand. Kommentiert sie am besten vor den anderen Teilnehmenden.
  • Macht, wann immer möglich, Zeichnungen der Ideen, so bleiben sie präsenter.
  • Nehmt Ideen von anderen auf und ergänzt diese.
  • Auch vermeintlich «dumme» Ideen gehören aufgeschrieben.
  • Besprecht am Schluss die dümmsten und die besten Ideen und fragt euch: Ist die dumme Idee wirklich so dumm?
Brainwriting

Das Brainwriting baut auf dem Brainstorming auf. Diese Methode hilft, das ganze Team zu involvieren, da die Ideen eher ruhiger Menschen beim Brainstorming untergehen können.

Tools: Papier, Stifte

Vorgehen:

  • Besprecht zunächst die Fragestellung, so dass alle das Gleiche darunter verstehen.
  • Danach schreibt jedes Teammitglied in Stillarbeit Ideen auf einem Zettel auf.
  • Der Zettel wird nach einer vorbestimmten Zeit (z. B. 3 min) ans nächste Teammitglied weitergegeben, welches basierend auf den Notizen weitere Ideen generiert.
  • Wenn jeder Zettel bei allen Teilnehmenden war, hängt die Zettel auf und priorisiert die Ideen.
Walt-Disney-Methode

Tools: Papier zur Beschriftung der Stühle und Sammlung der Ideen, Stifte

Vorgehen:

  • Mitglieder nehmen unterschiedliche Rollen ein (nachfolgend beschrieben), die Stühle werden dementsprechend beschriftet.
  • Generiert basierend auf der Fragestellung Ideen und diskutiert diese, wobei jedes Teammitglied seine Rolle einhält.
  • Schreibt die Ideen auf und priorisiert sie am Ende.

Rollen

  • Der Träumer liefert Ideen und denkt sehr visionär, kommt also auch mit Ideen, die nicht unbedingt realistisch sind.
  • Die Realistin bringt sehr bodenständige Ideen oder wandelt Ideen des Träumers in realistische Versionen um. Als Macherin denkt sie bereits an die Umsetzung.
  • Der Kritiker hinterfragt die Ideen und identifiziert mögliche Probleme.
  • Die Neutrale beobachtet die Diskussion und bringt Fakten ein, welche sich beispielsweise auf Prozesse beziehen.
SCAMPER

Bei der SCAMPER-Methode werden ausgehend von existierenden Ideen oder Produkten durch Fragen neue Ideen entwickelt.

Tools: Papier, Stifte, Beschreibung der SCAMPER-Fragestellung (am besten ausgedruckt für Sichtbarkeit)

  • S steht für «Substitute»: Was könnte man ersetzen?
  • C für «Combine»: Was kann kombiniert werden?
  • A für «Adapt»: Gibt es etwas Ähnliches, das das Problem ebenfalls löst?
  • M für «Modify»: Wie kann man etwas verändern?
  • P für «Put to other uses»: Wofür könnte man es noch einsetzen?
  • E für «Eliminate»: Was braucht es nicht unbedingt – könnte man es weglassen?
  • R für «Rearrange»: Was könnte anders angeordnet werden?

Vorgehen:

  • Diskutiert Ideen und folgt dabei den SCAMPER-Fragestellungen.
  • Schreibt die Ideen auf.

Am Beispiel eines Immobilienportals, das aktuell Kunden unterstützt, ein neues Eigenheim zu finden, könnte dies heissen:

  • «Substitute» – statt Eintippen von Kriterien durch den Kunden könnte künstliche Intelligenz selbst erkennen, welches Haus zu einer Familie passt
  • «Combine» – mit den Informationen für das jeweilige Objekt könnte gleichzeitig der Finanzierungsplan eingesehen werden
  • «Adapt»die Bank könnte einen persönlichen Immobilienberater zur Verfügung stellen
  • «Modify»das Immobilienportal könnte über Spracherkennung funktionieren
  • «Put to other uses»das Immobilienportal könnte auch genutzt werden, um Autos zu verkaufen
  • «Eliminate»das Immobilienportal könnte auch ohne Werbung funktionieren
  • «Rearrange»die Suchkriterien könnten in den Hintergrund treten, so dass Kunden auch Immobilien sehen, die sie zuerst vielleicht nicht in Betracht gezogen hätten.

Dies ist selbstverständlich nur eine Auswahl an Ideenfindungs-Methoden. Wollt ihr mehr darüber erfahren? Gerne unterstützen wir Euch von der Ideenfindung bis zur erfolgreichen Umsetzung von innovativen Lösungsansätzen und begleiten Vorhaben von der Forschung bis in die Praxis.

 

Quellen

Lewrick, M., Link, P. & Leifer, L. (2017). Das Design Thinking Playbook. Munich, Germany: Vahlen.

Uebernickel, F., Brenner, W., Pukall, B., Naef, T. & Schindlholzer, B. (2015). Design Thinking: Das Handbuch. Frankfurter Allgemeine Buch.

Christine Popp

Christine Popp

Christine Popp ist in strategischen Beratungsprojekten des CC Sourcing tätig und baut daneben das Competence Center Consumer Data Innovation mit auf. Ihr Interesse gilt Innovationsmethoden und der sinnvollen Verwertung von Daten im Hinblick auf die Optimierung der Customer Experience. Während ihres Masterstudiums in Business Innovation an der HSG absolvierte sie eine Design Thinking Ausbildung an der Stanford University.
Christine Popp

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