CORE BANKING RADAR – “One size doesn’t fit all”: Kernbankenhersteller setzen vermehrt auf digitale Ecosysteme

Dies ist ein Auszug aus einem ausführlichen Artikel von Swisscom Banking, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Business Engineering Institute St. Gallen (BEI). Der Beitrag gehört zur Reihe des «Core Banking Radars», welche die erste systematische Analyse der Systemunterstützung in der Finanzindustrie in der Schweiz darstellt.

Unsere Analyse von drei weiteren Kernbankensystemen zeigt, dass die Öffnung und Ausrichtung von Banken zunehmend im Kontext des digitalen Ecosystems erfolgt. Die im Rahmen der ersten Untersuchung analysierten Kernbankensysteme von Avaloq, Finnova, TCS, Temenos und Olympic lagen funktional nahe beisammen und haben sich nur in den Bereichen Vertrieb und Beratung sowie dem Einsatz von Umsystemen markant unterschieden. Die im Artikel neu beschriebenen Systeme IBIS4D, Finstar und Sopra Banking entwickeln zunehmend ein eigenständiges, für ihr Ecosystem ausgerichtetes funktionales Profil und Geschäftsmodell.

Fazit: One size doesn’t fit all – und doch stehen alle vor der gleichen Herausforderung

Aufgrund der bisherigen Ergebnisse des Core Banking Radars wird klar: «Das beste System» gibt es nicht. Systemhersteller und Banken müssen sich vielmehr bewusst werden, welche Kundenbedürfnisse sie zu erfüllen haben. Daraus sollten idealerweise dann die eigenen Anforderungen an die Systemunterstützung abgeleitet werden.

So ist z. B. ein Anbieter mit regionalem Fokus unter Umständen im Vergleich zu einem grossen internationalen Hersteller für eine regional aufgestellte Bank interessanter, wenn sich der Fokus der Strategie der Bank mit dem der Kernbankenlösung deckt und darüber hinaus die Kosten tiefer gehalten werden können.

Einige Überlegungen zur künftigen Marktentwicklung

Bankkunden erwarten zunehmend, dass ihre Bank sie bei ihren Bedürfnissen unterstützt («Ich möchte ein Haus und keine Hypothek kaufen») und dass die Bank diese Unterstützung im Zusammenspiel mit den zunehmenden technologischen Möglichkeiten der Digitalisierung und dem seit Jahren fortschreitenden Aufbrechen der Wertschöpfungskette optimal organisiert. Das verlangt von den Banken eine klare Positionierung im strategischen Finanznetzwerk. Eine aktuell vieldiskutierte Möglichkeit ist dabei das Konzept des digitalen Ecosystems.

Zentraler Hintergrund ist nach wie vor die Antwort auf die Frage: «Für welche Leistungen und Kernwertversprechen sind wir als Bank und/oder als Hersteller von Kernbankenlösungen der Orchestrator, der massgebliche Provider oder einfach ein wenig sichtbarer Zulieferer?».

Daraus ergeben sich zwei Varianten von Marktentwicklungen, wie sie beispielsweise in anderen Sektoren zu beobachten waren:

  • Einerseits könnte sich im Gesamtmarkt ein grosser Systemhersteller herauskristallisieren, der sich zu einem dominierenden Anbieter des Gesamtmarkts entwickelt (z. B. SAP in der Industrie).
  • Andererseits könnte die Anbieterlandschaft fragmentiert bleiben und es setzt sich kein Systemhersteller als alleiniger Dominator über alle Bankfachgebiete durch. Der Gesamtmarkt wäre somit aufgeteilt auf mehrere Hersteller.

Die aktuelle Entwicklung der Finanzindustrie in der Schweiz weist klar in Richtung der zweiten Variante.

Der Core Banking Radar wird die weiteren Entwicklungen im Markt aufmerksam verfolgen und bestehende Ergebnisse periodisch aktualisieren. Im nächsten Schritt wird zuerst ein weiterer Newcomer vorgestellt und danach werden die Themen Ecosystems und Trends bei Umsystemen zusätzlich beleuchtet.

Autoren: Dieser Artikel wurde verfasst von Werner Gygax (BEI) und Thomas Zerndt (BEI).


Bereits erschienene Artikel 2018

Ausblick kommende Artikel 2019

  • Newcomer-Artikel: Neuer Ansatz für eine Kernbankenlösung
  • Kundensicht-Artikel: Zukünftige Bedürfnisse der Systemunterstützung aus der Gesamtbankensicht

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