Christian Betz und Daniel Proba stellen Forschungsergebnisse des CC Ecosystems auf der Americas Conference on Information Systems 2019 in Cancún, Mexiko, vor

Wissenschaftliche Konferenzen gehören, neben wissenschaftlichen Journals, zu den wichtigsten Kanälen, über die Forscher ihre Forschungsergebnisse publizieren. Im Fachbereich Wirtschaftsinformatik, in welchem die Doktoranden des CC Ecosystems promovieren, gehören die Konferenzen der Association for Information Systems (AIS; https://aisnet.org) zu den renommiertesten ihrer Art. Diese Konferenzen finden zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahr in unterschiedlichen Regionen der Welt statt. So existieren neben der Americas Conference on Information Systems (AMCIS) auch die European Conference of Information Systems (ECIS) im EMEA-Raum, die Pacific Asia Conference on Information Systems (PACIS) für Asien und Ozeanien sowie die International Conference of Information Systems (ICIS), deren Austragungsort keinen lokalen Beschränkung unterliegt.

Die AMCIS 2019 stand unter dem Motto «New Frontiers in Digital Convergence». Neben Tracks zu den Themen Business Ecosystems und Agilität/agiles Projektmanagement stellten Forscher auch Arbeiten aus anderen Bereichen, wie z. B. Information Security and Privacy, eCommerce, Leadership in Information Systems (IS), Organizational Transformation, Social Computing und Virtual Communities and Collaboration vor.

Im Rahmen der Arbeit beim CC Ecosystems konnten Christian Betz in Co-Autorenschaft mit Marc Burkhalter und Prof. Dr. Reinhard Jung sowie Daniel Proba in Co-Autorenschaft mit Prof. Dr. Reinhard Jung die im Rahmen unserer Partnerworkshops erhobenen Daten in akademisch und praktisch relevante Erkenntnisse umwandeln und in Form von Papers auf der AMCIS 2019 publizieren.

Die Inhalte der beiden Papers werden im Folgenden kurz zusammengefasst präsentiert:

Inhalt des Papers von Christian Betz et al.: Online abrufbar unter:

https://aisel.aisnet.org/amcis2019/adv_info_systems_research/adv_info_systems_research/20/

McKinsey & Company schätzt, dass bis 2025 rund 60 Billionen Dollar Umsatz der globalen Produktion in branchenübergreifende Netzwerken erbracht wird, in sogenannten Business Ecosystems. Ecosysteme können als dynamische Gemeinschaften von Akteuren verstanden werden, die gemeinsam kollaborativ Wert schaffen. Die wissenschaftliche Literatur ist jedoch nach wie vor breit gefächert in Bezug auf die Entstehung und Entwicklung von Ecosystemen und Mechanismen der Wertschöpfung. Während Ecosysteme oftmals durch plattformfähige Geschäftsmodelle (z. B. Alibaba, Apple, SAP) operationalisiert werden, sind die Voraussetzungen für die gemeinsame Wertschöpfung sowie die Entstehung von Ecosystemen noch nicht gänzlich verstanden. Im Aufsatz «Prerequisites for Value Co-Creation in Business Ecosystems» schlagen die Autoren Betz, Burkhalter und Jung daher 7 grundlegende Vorausetzungen für die gemeinsame Wertschöpfung im Ecosystem vor.

1) Das Ecosystem entsteht um einen impliziten oder explizit festgelegten gemeinsamen Zweck zwischen verschiedenen sozialen und wirtschaftlichen Akteuren.

2) Der gemeinsame Zweck manifestiert sich in einem Service, der einen gemeinsamen Bezugspunkt für die Wertschöpfung der Ecosystemakteure darstellt.

3) Der Service kann nur durch gemeinsame Angebote zwischen sich ergänzenden einzelnen Akteuren einschließlich des Begünstigten [Konsumenten] realisiert werden.

4) Jeder Akteur, einschließlich des Begünstigten des Leistungsergebnisses, fungiert als Value Co-Creator.

5) Ecosystem-Akteure haben unterschiedliche individuelle Bedürfnisse und Fähigkeiten, die in Bezug auf ihren gemeinsamen Zweck aufeinander abgestimmt werden müssen.

6) Je besser die Orchestrierung den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Teilnehmer am Ecosystem entspricht, desto widerstandsfähiger ist das Ecosystem.

7) Die Orchestrierung kann entweder von einem Akteur oder einer Gemeinschaft von Akteuren durchgeführt werden, die entweder ein monetäres oder ein gemeinnütziges Ziel verfolgen.

Der Aufsatz setzt dabei Rahmenbedingungen für die Entstehung bzw. die Entwicklung von Ecosystemen, beispielsweise jenes um Airbnb:

1) Im Ecosystem wird eine intersubjektive, gemeinsame Vision festgelegt, an der sich alle Akteure orientieren. «Anyone can belong anywhere», welches Airbnb als Slogan nutzt, eignet sich dabei als gemeinsamer Referenzpunkt.

2) im Zentrum dieser Vision steht die Wohnleistung, d. h. ganz konkret das Apartment, welches wiederum als Anker für andere Akteure dient.

3) Die Gesamtleistung, welche der Vision unterliegt, wird durch gemeinsame Angebote realisiert. Beispielsweise dadurch, dass der Nutzer zum Ort des Apartments reist und dort die Leistung entgegennimmt. Zusätzlich kommen andere Akteure wie beispielsweise Keysafe (zur Schlüsselübergabe) oder Helpling (zur Reinigung des Apartments nach Benutzung) ins Spiel und ergänzen so das Serviceangebot im Ecosystem.

4) Jeder Teilnehmer, auch der Nutzer (der beispielsweise Daten teilt oder zum Ort des Geschehens reist) muss als aktiver Teil der Gesamtwertschöpfung betrachtet werden.

5) Jeder Akteur verfügt über eigene Ressourcen und Fähigkeiten, welche er ins Ecosystem einbringt (z. B. Informationen des Kunden, Anreise des Kunden, Apartment des Providers inkl. Ausstattung, oder die Reinigungsfähigkeiten von Helpling). Ebenfalls hat jeder Beteiligte seine individuellen Bedürfnisse, welche durch das Ecosystem erfüllt werden müssen, sodass eine Teilnahme sinnvoll ist.

6) Der Orchestrator (in diesem Fall Airbnb) hat die Aufgabe, die Ressourcen und Fähigkeiten sowie die Bedürfnisse der Akteure so zu koordinieren, dass es für alle Beteiligten zu einem positiven Ergebnis kommt, d. h. zu wünschenswerten Transaktionen (Buchungen des Apartments). Je besser er das tut, desto stärker das Ecosystem.

7) Die Rolle des Orchestrators kann durch eine einzelne Organisation oder aber durch eine dezentrale Organisation mit verschiedenen (gleichberechtigten) Parteien ausgeführt werden. Dies ist besonders in Zeiten von Blockchain und DLT relevant und wird in der Zukunft eine grössere Rolle spielen.

Inhalt des Papers von Daniel Proba et al.: Online abrufbar unter:

https://aisel.aisnet.org/amcis2019/it_project_mgmt/it_project_mgmt/6/

Sich schnell ändernde Kundenanforderungen, zunehmender Wettbewerb und schnellere Entwicklungszyklen erfordern, dass Unternehmen agile Fähigkeiten aufbauen, um ihre Produkte und Dienstleistungen sowie ihre Geschäftsmodelle schnell anzupassen. Durch den Einsatz agiler Methoden werden Unternehmen dabei unterstützt, sich auf diese Veränderungen einzustellen und Wettbewerbsfähigkeit in volatilen Märkten zu erlangen. Agile “off-the-shelf”-Methoden bergen jedoch das Risiko, die Herausforderungen spezifischer Geschäftssituationen nicht zu bewältigen. Daher wurde das Konzept des situativen Methoden-Engineerings auf agile Methoden übertragen, was zu dem Konzept situativen agilen Methoden-Engineerings (SAME) führt. Damit SAME funktioniert, ist eine Beschreibung des Unternehmenskontextes notwendig, die es ermöglicht, zwischen verschiedenen agilen Methoden und Methodenfragmenten zu entscheiden. So wurden situative Merkmale in einer Literaturrecherche abgeleitet und in Fokusgruppeninterviews validiert, was zu einer Liste von 5 relevanten situativen Merkmalen für SAME führte:

Die anschliessende Diskussion der Ergebnisse im Rahmen des Vortrags ergab spannende Erkenntnisse zur Weiterentwicklung der Situationscharakteristika und insbesondere zum Vorgehen für das SAME insgesamt. So wurde insbesondere hinterfragt, ob die bestehenden Situationscharakteristika, die als Grundlage für die Validierung am CC-Ecosystems-Workshop gedient haben, als richtige Ausgangsgesamtheit dienen kann. Die Forschungs-Community würdigte den Beitrag insbesondere für seine hohe Praxisrelevanz und die Weiterentwicklungspotentiale für das Konzept «SAME» insgesamt.

Für die kommenden Workshops werden nun sukzessive die weiteren Bestandteile für die ganzheitliche Betrachtung des SAME entwickelt und validiert, sodass unsere Partnerunternehmen befähigt werden, agile Methoden entsprechend des Unternehmenskontextes anzupassen und somit den Projekterfolg zu verbessern.

Die Autoren bedanken sich nochmals ausdrücklich für die Mitarbeit der Partnerunternehmen im CC Ecosystems, ohne die diese Forschungsarbeiten nicht möglich gewesen wären – Herzlichen Dank!

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